Interview mit dem Kommissariatsleiter des LKA 254 Berlin über Trickdiebstahl und Eigenschutz im Alter
Herr Kleinwächter, ältere Menschen geraten immer wieder ins Visier von Trickdieben. Die Trickdiebe wollen Wohnungen betreten, um Geld und Wertgegenstände zu stehlen. Warum trifft es meistens Senioren?
Täter suchen gezielt Menschen aus, die höflich, hilfsbereit oder manchmal unsicher wirken. Viele ältere Menschen öffnen noch selbstverständlich die Tür oder nehmen sich Zeit für Gespräche. Die Kriminellen nutzen aus, dass Menschen aus Höflichkeit oder vorauseilendem Gehorsam handeln und niemanden vor der Tür abweisen oder unfreundlich wirken wollen. Aber Sicherheit geht vor Höflichkeit!
Welche Maschen erleben Sie derzeit besonders häufig?
Sehr verbreitet sind die Maschen "falsche Handwerker", angebliche „Mitarbeiter von Stadtwerken“ oder der sogenannte „falsche Polizeibeamte“.
Gibt es drei einfache Regeln, die Sie allen Seniorinnen und Senioren mitgeben würden?
1. Keine Fremden in die Wohnung lassen.
2. Niemals Geld oder Wertsachen an Unbekannte übergeben.
3. Im Zweifel immer Angehörige, Nachbarn oder die Polizei anrufen.
Was ist die wichtigste Regel an der Haustür?
Lassen Sie keine fremden Personen ungeprüft in die Wohnung. Nutzen Sie vor dem Öffnen Türspion, Gegensprechanlage oder Sicherheitskette. Öffnen Sie niemals aus Mitleid, Hilfsbereitschaft oder unter Druck. Lassen Sie sich Ausweise zeigen und fragen Sie bei Ihrer Hausverwaltung oder Nachbarn nach, ob Aufträge oder Schäden vorliegen. Beenden Sie bei einem Verdacht sofort das Gespräch, schließen Sie die Haustür und informieren Sie die Polizei oder einen Angehörigen.
Viele Täter wirken freundlich und seriös. Wie erkennt man diese Kriminellen?
Betrüger und Trickdiebe erzeugen oft Stress. Sie drängen, reden schnell oder behaupten, etwas müsse sofort erledigt werden. Genau dann sollte man besonders misstrauisch werden. Seriöse Mitarbeiter akzeptieren immer, wenn jemand erst nachfragt oder einen Termin überprüft.
Darf man einen Ausweis verlangen?
Unbedingt. Und zwar in Ruhe. Im Zweifel sollte man bei der angeblichen Firma oder Behörde selbst anrufen — allerdings niemals über eine Nummer, die der Besucher nennt. Diese wird unter Umständen von Mittätern bedient. Besser man recherchiert die Firmenrufnummer oder Behördenrufnummer über das Internet oder das Telefonbuch.
Was raten Sie Menschen, die allein leben und sich schnell verunsichern lassen?
Vereinbaren Sie feste Regeln mit Angehörigen oder Nachbarn. Zum Beispiel: Niemand Fremdes kommt ohne Rücksprache in die Wohnung. Das gibt Sicherheit.
Viele Opfer schämen sich nach einem Betrug oder Diebstahl. Was möchten Sie ihnen sagen?
Täter arbeiten hochprofessionell und psychologisch geschickt. Jeder kann in so eine Situation geraten. Wichtig ist: sofort die Polizei informieren und nicht schweigen.
Was wünschen Sie sich gesellschaftlich im Umgang mit älteren Menschen?
Mehr Aufmerksamkeit und mehr Gespräche über diese Betrugs- und Diebstahlsformen. Prävention beginnt in der Familie, im Freundeskreis und in der Nachbarschaft. Informations- und Präventionsmaterial zu diesem und anderen Themen ist bei den Präventionsbeauftragten der Polizeiabschnitte oder im Internet unter polizei-beratung.de erhältlich.
Herr Kleinwächter, vielen Dank für das Gespräch.
Das Gespräch führte Frau Schiefer vom Arbeitsbereich Seniorensicherheit der Zentralstelle für Prävention im Landeskriminalamt Berlin.